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Ausstellung bei limelight
Hubert Kretschmer, München - Fotobilder
Christoph Mauler, Berlin - Wandobjekte

26. Oktober bis 1. Dezember 2006

Bilder von der Vernissage

limelight Veranstaltungstechnik, Gilching - Logo

Ausflug in eine andere Realität
Bilder und Objekte von Kretschmer und Mauler
VON KATJA SEBALD

Gilching - Ein bisschen war es an diesem Donnerstag so, als hätte sich eine andere Realität sehr sorgfältig selbst inszeniert. Als wäre das neue Gilchinger Gewerbegebiet ausgerechnet an diesem Abend durch Baustellen und weitschweifige Umleitungen dem direkten Zugriff ,,entrückt" worden. Als sei diese Zeppelinstraße ein fiktiver Ort, den man in der abendlichen Dunkelheit nur mit ein wenig Glück hinter der profanen Supermarktwelt entdecken konnte. Als wäre auch der neu errichtete und an diesem Abend stimmungsvoll ausgeleuchtete Sitz der Veranstaltungstechnik-Firma Limelight ein surrealer Traumort, in dem die Vernissagenbesucher in diese andere Realität eintauchen durften.
Mit sehr unterschiedlichen Mitteln haben die beiden Künstler Hubert Kretschmer und Christoph Mauler ihre andere Sicht auf die Wirklichkeit umgesetzt, gerade durch die Gegenüberstellung aber verstärkt sich ihre jeweilige Wirkung auf den Betrachter. Es scheint, als wolle der Münchner Kunsterzieher Hubert Kretschmer mit seinen ,,malerischen Fotografien" den Augenblick ausdehnen, erweitern, öffnen, anstatt ihn zu bannen. Seine großformatigen Bilder entstehen durch extrem lange Belichtungszeiten, innerhalb derer gesteuerte Kamerabewegungen stattfinden. Es sind also eigentlich schaffe Motive, die durch die Bewe-gungen der Hand verwischen, an Dynamik gewinnen und zugleich ihre Eindeutigkeit verlieren: Sie öffnen sich für die Assoziationen des Betrachters. Klar struk-turierte architektonische Elemente kontrastieren nun mit weich verschwimmenden Landschaftsformen. Bäume und Büsche zerfließen, Menschen huschen wie durchsichtige Traumbilder über die Bühne, hüpfende und zuckende Sonnenschirme formieren sich zu ei-nem kühnen Ballett.
Was aber macht Christoph Mauler mit seinen kleinen Wandobjekten? Sie sind auf ihren winzigen Podesten stehend gleichsam monumentalisierte Momentaufnahmen: Extrem verdichtete dreidimensionale, von architektonischen Gegebenheiten inspirierte Formen, die einerseits in die Draufsicht-Situation zurückkehren, andererseits die Rundumsicht, die wechselnde Perspektive, in sich tragen. Die Wucht der Raumwirkung, die durch verschiedene Blickwinkel und durch Bewegung entsteht, komprimiert Mauler einerseits, indem er sie in geradezu zwergenhafte Dimensionen zwingt und festzurrt, betont sie aber andererseits wieder, indem er durch archaische Formen, durch Farbgebung und durch Bemalung schwe-re, gewaltige, steinerne Materialsituationen suggeriert. Auch er interpretiert also die Realität, indem er den Betrachter durch eine neue Version von dieser Wirklichkeit in die Irre führt.

Fotobilder-Wandobjekte: zu sehen bis 1 Dezember montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr in den Büroräumen der Firma Limelight in Gilching, Zeppelinstraße 8.

Starnberger Ausgabe vom Münchner Merkur, 28./29.10.2006, Nr 249

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